Corps

Die Ursprünge des Corpsstudententums greifen weit bis in das 17. Jahrhundert zurück, die ersten Corps wurden jedoch erst im späten 18. Jahrhundert konstituiert. Corps setzten sich stets für das Prinzip der Toleranz ein, was sie von den meisten anderen Verbindungen wie Burschenschaften abgrenzt und unterscheidet. Unter Toleranz verstehen wir beispielsweise das Distanzieren von politischen und religiösen Ansichten, sowie eine stets weltoffene Haltung und Präsenz.

Durch die über 200 Jahre alte Geschichte legt das Corps großen Wert auf alte Traditionen, sei es das regelmäßige Feiern von Kneipen oder die Mensur. Durch das Lebensbundprinzip kommen Alt und Jung regelmäßig in Kontakt, aber auch über andere Verbindungen entsteht nicht nur intern, sondern auch extern ein Netzwerk, das ein Student außerhalb des Verbindungswesens kaum aufgreifen kann.

Fragen und Antworten

Was ist ein Corps?

Ein Corps ist ein Zusammenschluss von Studenten und Akademikern, die einen lebenslangen, generationenübergreifenden Freundeskreis bilden. Es verfolgt dabei weder politische, sportliche, gesellschaftliche oder kreative Ziele, sondern dient der Freundschaft zwischen seinen Mitgliedern. Gleich welchen Alters, welcher Fakultät, welcher Herkunft, Nationalität oder politischen Couleur – die Corpsbrüder werden durch das Tragen von Bändern als Zeichen der Verbundenheit, ein eigenes Corpshaus als Treffpunkt, die Pflege alter Bräuche und das Fechten zur Stärkung der Gemeinschaft geeint. Grundvoraussetzungen sind die Verpflichtung der Corpsbrüder zur Wahrung und Achtung der Menschenwürde und zur ehrlichen Bemühung um die Freundschaft jedes Corpsbruders.

Was ist das Corps Bavaria?

Das Corps Bavaria gedeiht seit der Gründung im Jahre 1806. Mittlerweile sind den Stiftern weit über 2000 Studenten gefolgt. Selbst während staatlicher Verbote Anfang des letzten Jahrhunderts und nationalsozialistischer Repressalien lebte das Corps — zumindest im Untergrund — fort. Heute zählt es circa 200 Alte Herren (ehemalige Studenten) und 20 Studenten.

Das Corps Bavaria ist eines der letzten echten “Lebenscorps”. Wir sind der Auffassung, dass wahre Freundschaft und Loyalität nur dann gedeihen kann, wenn sich jedes unserer Mitglieder ausschließlich dem Corps Bavaria verpflichtet. Die Mitgliedschaft in weiteren studentischen Verbindungen, wie andernorts üblich, ist ausgeschlossen.
Das strenge Lebenscorpsprinzip stiftet ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Corpsbrüdern. Das unterscheidet uns vom Gros der Corps und der Masse anderer Verbindungen.

Kann man mit so vielen Leuten befreundet sein?

Das Corps kann zunächst nur die Bereitschaft, das Bemühen um Freundschaft von seinen Mitgliedern verlangen. Mit der Überreichung des Bandes ist noch keine Freundschaft hergestellt. Aber die Offenheit der Corpsbrüder muss nur erwidert werden: das Corpsleben bietet viele Anknüpfungspunkte und Gemeinsamkeiten. Durch die Vielzahl der Corpsbrüder, ihre Unterschiedlichkeit und durch den Nachwuchs ist garantiert, dass man immer wieder neue Freunde entdecken kann.

Wo steht das Corps Bavaria politisch?

Das Corps enthält sich jeder politischen Stellungnahme. Untereinander dulden wir jede politische Einstellung außer der unehrenhaften. Parteipolitische Aktivitäten sind auf dem Haus untersagt. Zum Eintritt in den politischen Diskurs freilich ermuntern wir; schließlich ist die Fähigkeit zur Kritik wesentliche akademische Tugend und Quell aller Urteilskraft.

Wie ist ein Corps aufgebaut?

Während der ersten vier Semester nach Eintritt in das Corps gestaltet jeder Corpsbruder die Veranstaltungen des aktiven Corps mit, das ist die sogenannte Aktivenzeit. In diesen Semestern gibt es außerdem viele gemeinsame Unternehmungen, die sich aber durchaus gut in den normalen Zeitplan eines Studeten einpassen lassen. Dabei ist man im Regelfall die ersten zwei Semester Fuchs, im dritten und vierten Semester Corpsbursch. Die Corpsburschen bilden den Corps-Convent (CC), das leitende Organ des Corps. Dieses Organ entscheidet nach Mehrheitsprinzip und wählt für jedes Semester neue Amtsträger (Senior, Consenior, Fuchsmajor und Sekretär). Auch die Aufnahme neuer Mitglieder obliegt dem CC. Nach vier Semestern kann sich der Aktive zur Vertiefung der Studien inaktivieren lassen. Die aktive Mitarbeit im CC findet damit ein Ende. Nach Abschluss des Studiums wird man schließlich Alter Herr (AH), also möglicherweise schon mit 25 Jahren. Als AH ist man verpflichtet, nach Maßgabe seiner Möglichkeiten das Corps ideell und finanziell zu unterstützen.

Wer kann aktiv werden?

Obwohl Damen zu vielen Veranstaltungen herzlichst willkommen sind und das Corpsleben auch in einigen Punkten mitgestalten, können sie selber im Corps Bavaria nicht aktiv werden. Als Voraussetzungen gelten, dass man an einer Münchner Hochschule eingeschrieben ist und sich dem Toleranzprinzip des Corps verschreibt. Da wir eine schlagende Verbindung sind, müssen alle Corpsbrüder während ihrer Aktivenzeit vier Mensuren absolvieren.

Warum wird gefochten?

corps01Das Fechten ist eine Pflicht, der sich alle aktiven Corpsbrüder unterziehen. Für einige bedeutet dies eine enorme Herausforderung, für andere ist es eine Aufgabe, die ihnen leicht von der Hand geht. Sie haben ihre Freude daran. Das Mensurfechten verlangt jedoch von jedem eine Selbstüberwindung; es manifestiert die Bereitschaft, sich einzusetzen. Durch das Training miteinander, die gegenseitige Unterstützung vor und während der Mensur vermittelt es eine Gemeinsamkeit des Erlebens, die zum Zusammenhalt im Corps wesentlich beiträgt. Und es steht außer Zweifel: eine Gemeinschaft, in der jeder eine solche Hürde überwinden muss, hält mehr zusammen als ein Verein, der nur pünktliche Beitragszahlung verlangt. Natürlich könnten wir das Fechten aufgeben und durch andere Prüfungen ersetzen (z.B. Bergsteigen, Bungee-Springen, Paragliden). Dies hätte eventuell eine vergleichbar positive Wirkung auf den Zusammenhalt, nur, solche Dinge sind lebensgefährlich, das Fechten nicht.

Was ist das Toleranzprinzip?

„Toleranz“ ist in der heutigen Zeit ein häufig bemühter Begriff.
Im älteren, corpsstudentischen Zusammenhang bedeutet Toleranz, dass sich das Corps keine politischen, weltanschaulichen oder religiösen Standpunkte zu eigen macht. Die Corpsbrüder sind einander ebenbürtig ohne Ansehung familiärer, sozioökonomischer und ethnischer Herkunft. Kurzum: Das Prinzip gilt in religiöser, wissenschaftlicher, politischer und weltanschaulicher Hinsicht. Dieses umfassende Verständnis unterscheidet ein Corps von anderen Studentenverbindungen (wie Burschenschaften, Landsmannschaften, Turnerschaften, katholischen oder christlichen Studentenverbindungen u.a.). Das Toleranzprinzip steht dem individuellen religiösen Bekenntnis oder politischen Engagement der Corpsbrüder nicht entgegen.

NAVIGATION